Ratgeber · Norm, Bezeichnung, Nachweis

RC-Klassen nach DIN EN 1627 erklärt

RC 2, RC 3, früher WK: Auf Türblättern und in Prospekten stehen Kürzel, die nach Sicherheit klingen und etwas anderes bedeuten. Dieser Leitfaden ordnet, was DIN EN 1627 festlegt — gegen welches Täterprofil und welchen Werkzeugsatz ein Bauteil geprüft wurde, warum eine Klasse dem ganzen Element gehört und weshalb „einbruchhemmend“ der einzige Begriff ist, den die Norm kennt.

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Norm statt WerbewortHerstellerneutralDie Klasse gilt dem ganzen Element

Geprüft wird gegen Werkzeug

Jede Klasse steht für ein festgelegtes Täterprofil und einen festgelegten Werkzeugsatz — nicht für ein Gefühl.

Die Klasse gehört dem Element

Blatt, Rahmen, Beschlag, Schloss, Zylinder und Verankerung werden zusammen geprüft, nie einzeln.

„einbruchhemmend“, nicht „einbruchsicher“

Ein geprüftes Bauteil verzögert einen Versuch. Aufhalten kann es ihn nicht, und das verspricht die Norm auch nirgends.

Die kurze Antwort

Eine RC-Klasse beschreibt Widerstand — kein Versprechen

RC steht für resistance class, auf Deutsch Widerstandsklasse. DIN EN 1627 ordnet einbruchhemmende Türen, Fenster, Abschlüsse und Gitter in solche Klassen: RC 1 N, RC 2 N, RC 2, RC 3, RC 4, RC 5 und RC 6. Geprüft wird gegen ein festgelegtes Täterprofil mit einem festgelegten Werkzeugsatz, bewertet wird die Widerstandszeit, die das Bauteil dabei durchhält.

Damit ist auch gesagt, was eine Klasse nicht ist: eine Zusage. Ein geprüftes Bauteil verzögert, es hält nicht ab. Der korrekte Begriff heißt deshalb „einbruchhemmend“; das Wort „einbruchsicher“ kommt in der Norm nicht vor. Wer es benutzt, verkauft etwas, das niemand liefern kann.

Eine Tabelle mit Prüfzeiten finden Sie hier deshalb nicht: Diese Werte gelten für ein Bauteil im Prüfstand, eingebaut nach Herstellervorgabe. Für Wohnungen läuft die Empfehlung üblicherweise auf RC 2 hinaus, als RC 2 N dort, wo die Verglasung nicht mitgeprüft ist, und auf RC 3 in exponierter Lage.

Das Klassenregister

Von RC 1 N bis RC 6 — was hinter den Kürzeln steht

Die Bezeichnungen wirken technisch, meinen aber etwas Anschauliches: Wer greift an, womit — und wie lange muss das Bauteil das aushalten. Mit dem Werkzeugsatz wächst die geforderte Widerstandszeit. Das „N“ markiert ein Bauteil, dessen Verglasung nicht mitgeprüft wurde.

RC 1 N

Der Einstieg: geprüft gegen körperliche Gewalt — Anspringen, Treten, Hochschieben —, ohne nennenswertes Werkzeug. Grundschutz gegen den Gelegenheitstäter, mehr nicht.

RC 2 N

Wie RC 2, nur ohne geprüfte einbruchhemmende Verglasung. Sinnvoll dort, wo die Scheibe gar nicht der Angriffspunkt ist — etwa an einer Wohnungstür im Treppenhaus.

RC 2

Der übliche Ansatz im Wohnungsbau. Geprüft gegen den Gelegenheitstäter mit einfachem Werkzeug: Schraubendreher, Zange, Keil — die Ausstattung, mit der die meisten Versuche unternommen werden.

RC 3

Eine Stufe darüber: Im Prüfsatz liegt zusätzlich ein Brecheisen. Empfohlen für Türen in exponierter Lage — Nebeneingang ohne Sicht zur Straße, Terrassentür, freistehendes Haus.

RC 4

Geprüft gegen den erfahrenen Täter mit Säge- und Schlagwerkzeug, etwa Beil, Stemmeisen oder Hammer. Hier verlässt man den Wohnungsbau und ist bei Objektzugängen.

RC 5

Zusätzlich Elektrowerkzeug im Prüfsatz: Bohrmaschine, Stichsäge, Winkelschleifer. Eine Anforderung für Bereiche mit besonderem Schutzbedarf, nicht für eine Wohnungstür.

RC 6

Die höchste Klasse der Norm, geprüft gegen leistungsfähiges Elektrowerkzeug — und auch sie ist keine Garantie, sondern die größte Verzögerung, die DIN EN 1627 beschreibt.

Der eine Satz, an dem dieser ganze Ratgeber hängt

Keine Klasse hält einen Einbruchversuch auf. Was ein geprüftes Element leistet, ist Zeit: Es zieht den Versuch in die Länge und macht ihn lauter — daran scheitern die meisten. Deshalb steht in der Norm „einbruchhemmend“ und nirgends „einbruchsicher“.

Wer Ihnen eine sichere Tür verkauft, verkauft eine Formulierung. Wer ein einbruchhemmendes Element in einer bestimmten Klasse anbietet, nennt eine geprüfte Eigenschaft — und die können Sie sich belegen lassen.

Prüfen statt glauben

Sechs Stellen, an denen sich eine Klasse belegen lässt

Eine Klassenangabe ohne Nachweis ist eine Behauptung. Diese sechs Punkte können Sie an der eigenen Tür oder im Verkaufsgespräch selbst abfragen — ohne Fachbuch und ohne Werkzeug.

  • Die Kennzeichnung am Bauteil

    Ein klassifiziertes Element trägt Hersteller, Typ und Klasse dauerhaft am Bauteil, meist an der Falzseite. Fehlt sie, gibt es nichts nachzulesen.

  • Der Prüfnachweis

    Die Klasse entsteht in einer anerkannten Prüfstelle und steht im Prüfzeugnis. Lassen Sie sich den Nachweis zeigen, nicht den Prospekt.

  • Der Schutzbeschlag

    Er deckt den Zylinder ab, damit er sich nicht greifen und ziehen lässt. Für Beschläge gilt eine eigene Norm mit eigenen Klassen (DIN 18257).

  • Der Schließzylinder

    Bohr- und Ziehschutz sind Eigenschaften des Zylinders, nicht der Tür. Ein guter Zylinder in einem schwachen Rahmen bleibt ein guter Zylinder — und die Tür bleibt schwach.

  • Das Schließblech

    Der Riegel greift nicht ins Türblatt, sondern in das Blech im Rahmen. Ein kurzes, oberflächlich verschraubtes Blech gibt zuerst nach.

  • Verankerung und Einbau

    Die Klasse gilt nur für den Einbau nach Montageanleitung: Verankerung, Hinterfütterung, Abstände. Ohne Montagebestätigung ist sie nicht mehr belegt.

Zwei Bezeichnungen, ein Missverständnis

WK oder RC — warum die alte Angabe nicht einfach übersetzt wird

Auf älteren Türen und in Ausschreibungen steht bis heute WK. Wer das für dasselbe hält wie RC, rechnet mit einer Eigenschaft, die so nie geprüft wurde.

Die frühere Reihe

WK 1 bis WK 6

Vor der heutigen Fassung führte eine europäische Vornorm sechs Widerstandsklassen, abgekürzt WK. Die Angabe ist nicht falsch — sie ist nur nicht mehr die geltende und stammt aus einem anderen Prüfstand.

  • Steht noch am Bestand

    Wer ein Türblatt aus dieser Zeit hat, findet dort WK. Das entwertet die Tür nicht.

  • Keine Eins-zu-eins-Übersetzung

    Die Anforderungen wurden bei der Umstellung überarbeitet. Aus WK 2 wird nicht automatisch RC 2.

Die geltende Reihe

RC 1 N bis RC 6

DIN EN 1627 spricht von resistance classes, kurz RC. Neu ist die Kennzeichnung „N“: Sie steht für ein Bauteil, dessen Verglasung nicht mitgeprüft wurde. Dafür gab es in der alten Reihe keine Entsprechung.

  • Maßgeblich ist das Prüfzeugnis

    Nicht das Kürzel im Angebot entscheidet, sondern der Nachweis zu diesem Bauteil.

  • Das „N“ betrifft die Scheibe

    An einer Wohnungstür ohne Glas ist der Zusatz ohne Belang, an einer Haustür mit Seitenteil nicht.

Widerstandsklasse
Der deutsche Oberbegriff für die Einstufung eines einbruchhemmenden Bauteils.
RC
Die heute gültige Abkürzung, von resistance class — immer zusammen mit einer Stufe.
WK
Die frühere Abkürzung aus der Vornorm; für neue Angaben wird sie nicht mehr verwendet.

Wer über eine Abkürzung stolpert: Begriffe: Widerstandsklasse, RC, WK stehen mit den übrigen Fachwörtern rund um Schloss und Tür in einem eigenen Register.

Das Kernmissverständnis

Die Klasse gehört der Tür — nicht dem Beschlag

Eine RC-Klasse wird für ein Element vergeben: Türblatt, Rahmen, Bänder, Schloss, Zylinder, Schutzbeschlag, Schließblech und die Verankerung im Baukörper — geprüft als ein Ganzes, eingebaut nach der Anleitung des Herstellers.

Deshalb lässt sich eine Klasse nicht nachträglich zusammenkaufen. Ein Sicherheitszylinder mit Bohr- und Ziehschutz macht aus einer alten Wohnungstür kein RC-2-Element, ein Schutzbeschlag ebenso wenig, ein längeres Schließblech auch nicht. Jedes dieser Teile verbessert die Tür spürbar — nur ohne die geprüfte Eigenschaft, die eine Klassenangabe ausmacht. Wer eine Klasse wirklich braucht, weil eine Bauvorgabe oder eine Versicherung sie verlangt, kommt um den Austausch des vollständigen Elements in aller Regel nicht herum.

Fachmann montiert ein Sicherheits-Langschild an einer HolzhaustürEin Teil ist keine Klasse — verbessern ja, klassifizieren nein

Was dieser Text ist — und was nicht

Eine Norm ordnet, sie garantiert nichts

Orientierung — und ausdrücklich kein Ersatz für eine Rechtsberatung

Keine Klasse und keine Norm sagt zu, dass Ihre Tür standhält. DIN EN 1627 beschreibt ein Prüfverfahren und ordnet dessen Ergebnisse ein, mehr nicht. Eine unabhängige Einschätzung bekommen Sie bei den polizeilichen Beratungsstellen: Sie beraten herstellerneutral, empfehlen kein Fabrikat und verkaufen nichts.

Die rechtlichen Fragen, die hier mitlaufen, sind eine erste Einordnung und kein Ersatz für eine Rechtsberatung. Bauliche Veränderungen an Tür und Rahmen sind Sache der Eigentümerseite; zur Miete holen Sie die Zustimmung ein, bevor gebohrt wird. Über eine Schließanlage entscheidet ebenfalls die Eigentümerseite. Beim Schlüsselverlust gilt zunächst das Verursacherprinzip — eine ganze Anlage schulden Sie nur, wenn konkrete Missbrauchsgefahr besteht und die Eigentümerseite die Anlage tatsächlich austauscht. Melden müssen Sie den Verlust immer.

Wir sind ein Fachbetrieb, keine Prüfstelle. Was an Ihrer Tür technisch erreichbar ist, beurteilen wir; welche Klasse ein Bauteil trägt, beurteilt die Stelle, die es geprüft hat.

Im vorhandenen Bestand

Fünf Nachrüstungen, die eine vorhandene Tür wirklich besser machen

Im Siedlungs- und Nachkriegsbestand steht selten ein klassifiziertes Element. Was dort trägt, ist die Nachrüstung am vorhandenen Bauteil; für nachrüstbare Sicherungen gibt es dafür eine eigene Norm (DIN 18104). Eine Klasse nach DIN EN 1627 entsteht dadurch nicht — eine deutlich widerstandsfähigere Tür schon.

Zylinder

Sicherheitszylinder mit Bohr- und Ziehschutz

Der Tausch, der am häufigsten zuerst dran ist: maßgleich zum vorhandenen Schloss, mit Schließprüfung und dokumentierter Schlüsselübergabe.

Beschlag

Schutzbeschlag über dem Zylinder

Ein Langschild deckt den Zylinder ab, sodass er sich nicht greifen und ziehen lässt. Das Gegenstück zum guten Zylinder — einzeln leistet keines von beiden, was es könnte.

Rahmen

Schließblech und Riegelaufnahme

Ein langes, tief verschraubtes Schließblech verteilt die Kraft eines Hebelversuchs über den ganzen Rahmen statt über zwei kurze Schrauben im Weichholz.

Bandseite

Bandseitensicherung an der Scharnierseite

Auf der Scharnierseite hilft kein Schloss. Hintergreifhaken verhindern, dass sich das Blatt an der Aufhängung aushebeln lässt — bei nach außen öffnenden Türen besonders wichtig.

Querriegel

Querriegelschloss über die ganze Türbreite

Die aufwendigste der fünf Maßnahmen: Der Riegel greift links und rechts in den Rahmen und sichert Schloss- und Bandseite zugleich. Für ältere Wohnungstüren oft die wirksamste Ergänzung — und die, bei der sich die Frage nach einer Förderung zuerst stellt.

Ratgeber: KfW-Förderung für Einbruchschutz in Duisburg

Wie so eine Nachrüstung im gewachsenen Siedlungsbestand aussieht, steht am Beispiel eines einzelnen Quartiers: Nachrüstung im Meidericher Siedlungsbestand.

Vom Normwissen zur Tür

Zwei Wege — je nachdem, wie viele Türen es betrifft

Ein Ratgeber ordnet Begriffe; gearbeitet wird an einem konkreten Bauteil. Ob es um eine einzelne Tür geht oder um mehrere Einheiten mit gemeinsamer Schließung, entscheidet, welche Seite weiterhilft.

  • Eine Tür, ein Element

    Zylinder, Schutzbeschlag, Schließblech, Bandseitensicherung, Querriegel — immer nach Aufmaß am vorhandenen Bauteil, nie nach Katalog. Was davon an Ihrer Tür trägt, steht unter einbruchhemmende Nachrüstung als Leistung.

  • Mehrere Einheiten, eine Schließung

    Sobald Haustür, Kellerabgang und Wohnungstüren zusammenhängen, geht es nicht mehr um die Klasse eines Blattes, sondern um die Ordnung der Berechtigungen: Gleichschließung, also ein Schlüssel für mehrere gleich geschlossene Zylinder, Zentralschließanlage, abgestufte Ebenen bis zum Generalhauptschlüssel — und die Sicherungskarte, ohne die niemand einen geschützten Schlüssel nachbestellt. Entschieden wird das von der Eigentümerseite: Schließanlage über mehrere Einheiten.

Kostenlose Beratung

Welche Klasse an Ihrer Tür erreichbar ist, sieht man der Tür an — nicht diesem Text

Am Telefon nehmen wir auf, worum es geht: Türblatt und Rahmen, Beschlag und Zylinder, Wohnungstür oder Hauseingang, Miete oder Eigentum. Daraus ergibt sich, ob eine Nachrüstung am vorhandenen Bauteil sinnvoll ist oder ob nur ein vollständiges Element die gewünschte Klasse tragen kann. Genau dafür gibt es die kostenlose & unverbindliche telefonische Beratung — vor jeder Entscheidung, nicht danach.

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Wovon der Aufwand abhängt und warum auf dieser Seite keine Zahl steht: Kosten einer Nachrüstung im Bestand

Eine Klasse steht im Prüfzeugnis — was an Ihrer Tür geht, steht in keinem Text

Ob Ihr Rahmen eine Nachrüstung trägt, ob Beschlag und Zylinder zueinander passen und ob ein vollständiges Element der ehrlichere Weg ist, entscheidet sich am Bauteil und nicht an einer Bezeichnung. Kein Formular, kein Rückrufbogen, keine Anmeldung.

Weiterlesen: Übersicht aller Ratgeber · Kontakt: erreichbare Klasse an Ihrer Tür besprechen.

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